Rein Raud wird aus zwei neuen Romanen lesen „Der Tod des vollendeten Satzes“ und „Pestzug“ beide in der Übersetzung von Cornelius Hasselblatt.
Der erste Roman führt in die Zeit der Singenden Revolution vor über 35 Jahren, als Estland auf dem Weg zurück in die Unabhängigkeit war und die Sowjetmacht mit letzter Kraft dies zu verhindern versuchte. Im Viereck von Tallinn, Stockholm, Helsinki und Leningrad agieren verschiedene Gruppen mit verschiedenen Interessen so konspirativ, dass dabei unweigerlich etwas auf der Strecke bleibt: Der vollendete Satz.
Der zweite Roman enthält zwei Zeitebenen. Der Protagonist Jakob ist 1911 Mitglied eines Sanitärkommandos, das im fernen Osten des Zarenreichs an der Grenze zu China die Folgen der dort grassierenden Pest zu beseitigen hat. Die jungen Männer müssen schwierige Entscheidungen treffen, die ihr Leben weitgehend prägen werden. 22 Jahre später trifft Jakob einen von ihnen wieder. Nun, 1933 beschäftigen sie Fragen von Schuld, Loyalitäten und politischen Überzeugungen. Und letztlich spielt auch die Liebe eine zentrale Rolle – in beiden Romanen.
Der Rezensent Marko Martin hob 2025 im DLF Kultur in seiner Besprechung von Der Tod des vollendeten Satzes besonders die lakonische Sprache und poetische Schönheit des Romans hervor und wies auf die große Aktualität des Themas hin.
Der 1961 als Sohn einer Schriftstellerfamilie in Tallinn geborene Rein Raud studierte im damaligen Leningrad Japanologie. Später lehrte er an der Universität von Helsinki und Tallinn und war von 2006 – 2011 Rektor der Universität Tallinn. Er schrieb zahlreiche literarische Werke und gilt heute als einer der wichtigsten Schriftsteller in Estland. Sein Werk ist sehr vielfältig und er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.
Cornelius Hasselblatt, Jg. 1960, studierte in Hannover, Hamburg und Helsinki Geschichte, Finnougristik und Literaturwissenschaft. Er ist heute freiberuflich als Wissenschaftler und Übersetzer tätig und schrieb neben zahlreichen Übersetzungen Arbeiten zur estnischen Sprache und Literatur.
Das Gespräch zwischen Autor und Übersetzer wird Heiko Frese moderieren. Er ist seit vielen Jahren als Vorsitzender der Deutsch-Estnischen Gesellschaft Lüneburg e.V. engagiert.



