Der 150. Geburtstag Thomas Manns am 6. Juni 2025 war und ist Anlass für zahlreiche Veranstaltungen und Publikationen. Dabei wurde das neue Buch von Tilmann Lahme in ganz besonderer Weise in den Medien lobend herausgehoben, weil es tatsächlich neue Erkenntnisse über Thomas Manns Leben vorstellt durch die Untersuchungen von bisher unveröffentlichtem Quellenmaterial, von Briefen und Tagebuchpassagen. Natürlich ist Thomas Manns Homosexualität kein Geheimnis mehr. Tilman Lahme zeigt aber, wie sehr das gefeierte Genie, der Großbürger, Familienvater und Ehemann seit seiner Jugend und lebenslang mit größter Kraft und Selbstdisziplin versucht hat, gegen seine selbst verabscheute Natur moralisch, angepasst und makellos in der Gesellschaft zu existieren. Dabei war Thomas Mann den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen seiner Zeit über Homosexualität ausgeliefert, die wohl eine Strafwürdigkeit ablehnten, aber davon ausgingen, dass es sich um eine Krankheit oder Abartigkeit handelt, die mit geeigneten Maßnahmen ‚geheilt‘ werden könne.
Welch leidvolles Leben daraus geworden ist und wie sich auch die Lesart ausgewählter literarischer Werke Thomas Manns damit verändert, vermittelt Lahme fundiert, sehr anschaulich und vor allem für den heutigen Leser nachvollziehbar.
Der Literaturhistoriker und Autor Tilmann Lahme, geboren 1974, arbeitete zunächst als Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Als Autor ist er bei Lesern und Wissenschaft geschätzt wegen seiner kenntnisreichen Veröffentlichungen über die Familie Mann; so auch seine Biografie über Golo Mann (2009) und „Die Manns. Geschichte einer Familie“ (2015). Auch hier konnte er auf neues Quellenmaterial zurückgreifen.
Dem Lüneburger Literaturpublikum wurde Tilmann Lahme besonders bekannt durch seine Moderationen der Veranstaltungen in der Reihe LiteraTour Nord im Rahmen seiner damaligen Lehrtätigkeit im Bereich Literaturwissenschaft an der Leuphana Universität.