Dirk Hansen empfiehlt:
Sebastian Haffner
Der Teufelspakt – Eine Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen
Verlag: Hanser Literaturverlage 2026
Ein Buch, ein Titel, ein Autor – wie drei Donnerschläge.
Ein Buch, entstanden aus einer Stern-Serie, erschienen vor 58 Jahren, 1968, anlässlich der 50-jährigen Wiederkehr der russischen Revolution. Jetzt neu aufgelegt mit einem großartigen Nachwort des renommierten Karl Schlögel, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels.
Ein Titel, der manichäisch daherkommt und Schrecken verspricht – und doch „nur“ die Beziehungen zweier Staaten in Europa in den Fokus nimmt.
Ein Autor, der den Älteren vertraut und doch heute aus der Zeit gefallen scheint – aber ein Autor, der wie nur wenige prägnant und fesselnd zu schreiben wusste. „Preußen ohne Legende“, „Anmerkungen zu Hitler“, „Geschichte eines Deutschen“ seien nur beispielhaft genannt. Ein Journalist und Zeuge seiner Zeit (1907-1999), der pointensicher Geschichte(n) zu erzählen verstand.
Wendepunkte, ja Schlüsselszenen der Geschichte: russische Revolution 1917/18, deutsch-russischer Friede von Brest-Litowsk, Lenins mit deutscher Hilfe geheime Reise ins noch zaristische Russland, der Vertrag von Rapallo, die verdeckte Zusammenarbeit von Reichswehr und Sowjetarmee, die „Jahrhundertgestalten“ Stalin und Hitler, der Molotow-Ribbentrop-Pakt, der deutsche Vernichtungskrieg in Russland und die Verbrechen der Russen in Nachkriegsdeutschland, die Konfrontation der Deutschen im „Kalten Krieg“, Adenauer und Ulbricht und die Berlin-Krise 1961.
Wer könnte auf gut 200 Seiten eine solche fulminante Geschichtsschreibung versuchen? Das führt zwangsläufig zu Knappheiten, zuweilen eher schlichten Wahrheiten, die auch Einseitigkeiten des Urteilenden zulassen und je näher der Gegenwart der Zeit nach dem 2. Weltkrieg, desto parteiischer auch seine Wertungen.
Aber wer die aktuellen Geschehnisse bei uns heute in Europa verfolgt, wer die Gefahrenlage neuer Kriege nicht verkennt, der wird mit diesem spannenden Buch des Geschichtserzählers Haffner aus der Geschichte lernen wollen und können (?). Da wird auch das kluge Nachwort von Karl Schlögel helfen, weist er doch zu Recht darauf hin, dass Russland und Sowjetunion nicht eins waren, dass z.B. die Balten oder die Ukrainer im Vielvölkerstaat kolonisiert waren; oder wie Umbrüche in der Geschichte klar machen, dass dieselbe immer offen ist. Auch heute wieder.